Scientific 3 Mind Methodik

Die Scientific 3 Mind-Methodik zeigt, wie durch das gezielte Zusammenspiel von Körper-, Erlebnis- und Verhaltensgedächtnis tief verankerte innere Konflikte im Coaching wirksam und nachhaltig transformiert werden können.

Reorganisation des Unbewussten mit der Scientific 3 Mind-Methodik

Als Abschluss der Serie zum Thema des Unbewussten im Coaching wird im Folgenden die Scientific 3 Mind-Methodik vorgestellt. Sie ermöglicht es, leidvolle Erlebens- und Verhaltensmuster durch das gezielte Ansprechen der drei Gedächtnisse – Körper (unbewusst), Erleben (vorbewusst) und Verhalten (vorbewusst) – wirkungsvoll zu transformieren. Diesen Mustern liegen häufig innere Konflikte zugrunde, welche die Bedeutung der psychodynamischen Perspektive auch im Coaching unterstreichen. Das Vorgehen zur Bearbeitung dieser Konflikte, orientiert sich in der Scientific 3 Mind-Methodik jedoch strikt an einer neurowissenschaftlich fundierten und methodenübergreifenden Herangehensweise, welche die Vorzüge der verschiedenen Beratungsschulen gezielt nutzt.

Innere Konflikte

Häufig kommen Klient:innen ins Coaching und berichten von der Erfahrung: „Ich will X (z. B. Nein sagen), aber es passiert Y (z. B. ich sage dennoch Ja).“ Solchen wiederkehrenden Erlebens- und Verhaltensmustern liegen zumeist innere Konflikte zugrunde. In der psychodynamischen Perspektive, die durch aktuelle neurowissenschaftliche Erkenntnisse gestützt wird, werden insbesondere unbewusste oder auch vorbewusste Konflikte, welche in der Kindheit entstanden sind, als Ursache für solche Muster angesehen. Psychische Grundkonflikte können im Gehirn auf Antagonismen innerhalb der vier Ebenen der Persönlichkeit (drei limbische Ebenen und eine kognitiv-sprachliche Ebene) sowie auf die sechs psychoneuralen Grundsysteme (geprägt durch das Zusammenwirken verschiedener neuromodulatorischer Substanzen) – sowohl innerhalb der Ebenen und Systeme als auch zwischen ihnen. Häufig manifestieren sie sich als Konflikt-Schema in den drei Gedächtnissen.

Drei Gedächtnisse

Die drei Gedächtnisse weisen unterschiedliche Qualitäten auf und können auf verschiedene Art und Weise verändert werden:

  1. Das Körpergedächtnis. Dieses repräsentiert die unbewussten Teile von Psyche und Persönlichkeit, die wesentlich vom limbischen System gesteuert werden und unsere non-sowie paraverbale Kommunikation (z. B. Gestik, Mimik, Blick, Stimmführung und Körperhaltung) beeinflussen. Im Coaching ist das Körpergedächtnis sehr bedeutsam als effektiver Zugang zum Unbewussten. Wirksam sind hier vor allem körperzentrierte Methoden.
  2. Das explizite Erlebnisgedächtnis. Im sprachlich berichtbaren deklarativen Gedächtnis werden unter anderem unsere bewussten, autobiographischen Erfahrungen abgespeichert. Hier eignen sich insbesondere Kontrastierungsmethoden zur Umstrukturierung (siehe weiter unten im Text).
  3. Das implizite Verhaltensgedächtnis. Unsere Gewohnheiten im Denken, Fühlen und Verhalten sowie unsere Fähigkeiten werden subcortical im prozeduralen Gedächtnis gespeichert. Sie waren einmal bewusst und entziehen sich mit zunehmender Automatisierung immer mehr der sprachlichen Berichtbarkeit. Neben Konditionierungstechniken ist hier die schlichte „Übung“ eine der wichtigsten Veränderungsmethoden.

Scientific 3 Mind-Methodik

Die Scientific 3 Mind-Methodik nutzt gezielt die Veränderungsmechanismen der verschiedenen Gedächtnisse, um gewünschte Erlebens- und Verhaltensmuster zu etablieren. Die Methodik eignet sich nicht für traumatisierte Menschen und setzt voraus, dass Klient:innen genügend Ressourcen mitbringen und in ihrem inneren Erleben eine beobachtende Erwachsenen-Perspektive einnehmen können. Außerdem ist es entscheidend, dass die Klient:innen sich innerlich bereit fühlen, sich mit ihren unangenehmen Gefühlen auseinanderzusetzen. Sind diese Bedingungen nicht gegeben, sollte eine andere Methode verwendet werden. Bevor die drei Gedächtnisse mittels des Scientific 3 Mind-Vorgehens systematisch adressiert werden, gilt es, als Coach die entsprechenden Voraussetzungen für einen gelingenden Veränderungsprozess zu schaffen. Grundvoraussetzungen: Tragfähige Beziehung, mittlerer Erregungszustand, Ziel und Ressourcen.

Die Basis erfolgreicher Interventionen liegt in einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Coach und Klient:in. Neurobiologisch gesehen wird dadurch das Bindungssystem mittels Oxytocinausschüttung aktiviert, welches Stress, Aufregung sowie Ängstlichkeit dämpft und einen besseren Zugang zu Ressourcen ermöglicht. Außerdem kann ein hoher Oxytocinspiegel den Prozess der Gedächtnismodifikation begünstigen, indem dieser die Neubildung von Nervenzellen des Hippocampus unterstützt. Neben einem sicheren Arbeitsbündnis können Achtsamkeitsübungen oder ähnliches die Klient:innen darin unterstützen, in einen Zustand von entspannt-fokussierter Aufmerksamkeit zu gelangen. Das mittlere Erregungsniveau ist wichtig für die neuronale Plastizität und das emotionale Lernen. Mit dieser Grundlage kann das Ziel für das Coaching eruiert werden, welches emotional resonant und möglichst multimodal herausgearbeitet werden sollte. Die Aktivierung von hilfreichen Ressourcen für die Zielerreichung ist ebenfalls bedeutsam. Auf Basis dieser wichtigen Vorarbeit können nun die einzelnen Gedächtnisse gezielt angesprochen werden.

Erster Schritt (Körpergedächtnis)

Das Körpergedächtnis als Zugang zu unbewussten und vorbewussten Inhalten des Problemerlebens

Wiederkehrende Erlebens- und Verhaltensmuster im Hier und Jetzt haben ihren Ursprung in vergangenen Erfahrungen. Häufig ist das heutige Problem eine Art Lösungsversuch aus der Vergangenheit. Mit Hilfe der körperlich-emotionalen Signale, welche einen Zugang zu unbewussten und vorbewussten Erfahrungen ermöglichen, kann die wahre Ursache eines Themas effektiv erkundet werden. Dabei ist es sehr wichtig, möglichst präzise herauszuarbeiten, worum es im Kern wirklich geht, also welches Bedürfnis in der Vergangenheit verletzt wurde. Insbesondere die Nutzung von Körperwahrnehmung („Wo in deinem Körper spürst du das?“) und Körperausdruck (Aktives Erkunden von Gesten) kann hier sehr hilfreich sein. Als Haltung ist dabei das 3 Mind-Coachingprinzip „Etwas erfahren statt etwas erreichen wollen“ entscheidend, weil es einen Prozess des kleinschrittigen und neugierigen Erkundens in einem sicheren Rahmen ermöglicht. Der nächste Schritt kann eingeleitet werden, sobald präzise die (beispielhafte) Ursprungssituation für das heutige Thema herausgearbeitet wurde.

Zweiter Schritt (Erlebnisgedächtnis)

Bewusstes Erleben von und Pendeln zwischen Problem- und Lösungszuständen (Kontrastierung)

Das Problem und sein Ursprung sind nun bewusst als Erfahrung im autobiographischen Gedächtnis identifiziert. Im nächsten Schritt geht es darum, das Antidot zum Problemerleben zu finden. Problem und Lösung passen zusammen wie Schlüssel und Schloss. Hier ist die Frage wichtig:
„Was hätte der (verletzte) Teil damals gebraucht?“ Auf dieser Basis kann eine Erfahrung gefunden werden, in der genau das Bedürfnis befriedigt wurde, das in der Ursprungserfahrung verletzt wurde. Dies ermöglicht nun das Pendeln zwischen Problem-und Lösungserleben und damit eine Umstrukturierung des deklarativen Gedächtnisses.
Durch eine systematische Problemaktualisierung wird die damalige Erfahrung in das sogenannte Arbeitsgedächtnis „geladen“, welches für den Strom unseres Bewusstseins verantwortlich ist. Dort sind die Inhalte plastisch und damit empfänglich für Umstrukturierungen. Daher ist es wichtig, dem Problemerleben nun gezielt neue Ressourcen und positives Lösungserleben gegenüberzustellen. Dies schwächt die unangenehmen Emotionen ab, welche mit der Ursprungssituation verbunden sind. Durch das Pendeln zwischen Problem- und Lösungszuständen und die damit verbundenen emotionalen und körperlichen Erlebniszustände kommt es zu einer Überlagerung oder Durchdringung der negativen Erinnerungen durch die positiven Erinnerungen / Imaginationen.

Dritter Schritt (Verhaltensgedächtnis)

Automatisierung des Lösungsmusters im Verhaltensgedächtnis

Damit ein neues Erlebens- und Verhaltensmuster stabil verfügbar ist, braucht es eine Automatisierung, sprich die Ausbildung einer neuen Gewohnheit. Das wiederholte Üben der Kontrastierung und/oder die Umsetzung der neuen Handlungsweisen im Alltag, unterstützen die Verankerung des gewünschten Musters im Verhaltensgedächtnis.
Die beschriebene Methodik kann unter Umständen in einer einzelnen Coachingsitzung durchlaufen werden. Es ist jedoch durchaus üblich, dass die Bearbeitung der Schritte mehrerer Sessions bedarf.

Fazit:

Fazit: Die Scientific 3 Mind Coaching-Methodik ermöglicht die Loslösung von unbewussten beziehungsweise vorbewussten blockierenden Erfahrungen, welche Klient:innen darin hindern, ihre Ziele zu erreichen. Dies wird möglich, indem durch das Körpergedächtnis der Ursprung des aktuellen Musters effektiv herausgearbeitet wird und im Erlebnisgedächtnis mit Hilfe von Kontrastierungstechniken eine Umstrukturierung stattfindet, so dass das gewünschte Lösungserleben nachhaltig im Verhaltensgedächtnis verankert werden kann.

Quelle:

Erschienen in: Praxis Kommunikation 06 | 2025

Literatur

  • Ryba, A.: Die Rolle unbewusster und vorbewusst-intuitiver Prozesse im Coaching unter besonderer Berücksichtigung der Persönlichkeitsentwicklung des Klienten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2018.
  • Ryba, A. & Roth, G.: Coaching und Beratung in der Praxis: Ein neurowissenschaftlich fundiertes Integrationsmodell. Klett-Cotta, Stuttgart 2019.

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